Klare Kommunikation schafft Vertrauen – Anton Fichtlmeier in Barbing, November 2018

Klare Kommunikation schafft Vertrauen – Anton Fichtlmeier, November 2018 in Barbing bei Regensburg


Von Melissa Kroschinski

Bereits zum zwölften Mal referierte „Hundeexperte“ Anton Fichtlmeier in Barbing zum Thema der Hundeerziehung und zog auch diesmal rund 150 Hundefreunde in seinen Bann.

Fichtlmeier, vielen Hundefreunden bekannt durch seine TV-Auftritte, Lehrbücher und Videos ist von der Regierung Oberbayern öffentlich bestellter und beeidigter Sachverständiger für das Verhalten von Hunden. Er betreibt seit vielen Jahren eine eigene Hundeschule am Starnberger See. Initiiert wurde der Abend, in der Barbinger Rathausgaststätte, durch die Hundeschule Communicato cum Cane, Illkofen rund um Michael Rösch, welche die von Anton Fichtlmeier einzig lizenzierte Hundeschule im Raum Niederbayern / Oberpfalz ist.

In seinem gut dreistündigen Vortrag, verdeutlichte Fichtlmeier am Dienstag Abend seinen Zuhörern sein eigens auf Grundlage seiner jahrelangen Erfahrung entwickeltes Leinen- und Erziehungskonzept.

Anton Fichtlmeier schaffte es auch bei dem diesjährigen Themenabend die Zuhörer zu begeistern und auf amüsante Art und Weise komplexe Themen der Hundeerziehung, sowie auch gewisse Problematiken zu verdeutlichen.
Zu Beginn der Veranstaltung erklärte Fichtlmeier, dass die Grundlagen seines konzipierten Erziehungsmodells bereits seit Anfang seiner Hundetrainer Tätigkeit bestehen und im Laufe der Zeit lediglich weiterentwickelt wurden. Die Basis besteht schon seit vielen Jahren, denn die „Sprache der Hunde“ hat er schon vor vielen Jahren entschlüsselt.
Da sich unsere Vierbeiner auf uns Menschen beziehen, sei, so Fichtlmeier, der Bindungsaufbau sehr wichtig. Am Besten beginnt man mit der Erziehung über Körpergesten und mit dem Bindungsaufbau bereits direkt beim Welpen. Denn im Alter bis zu 16 Wochen lernt ein Hund am Leichtesten und auch Schnellsten, zudem prägen sich die in dieser Phase gefestigten Verhaltensweisen besonders gut ein. Wenn der Bindungsaufbau zwischen Mensch und Hund erfolgt und intakt ist, so kann die Leine laut Anton Fichtlmeier zur Nebensache werden.

Fichtlmeier greift vor der Ausführung seines Erziehungsmodells jedoch an der Basis an, denn jedem Hundehalter muss klar sein, dass er eine hohe Verantwortung gegenüber seinen Mitmenschen und der Umwelt hat. Egal ob Yorkshire Terrier oder Deutsche Dogge, „kein Hund darf andere Menschen oder Hunde belästigen, geschweige denn jemals eine Gefahr für Andere darstellen“. Hier ist jeder einzelne Hundehalter gefragt! Ebenso sollte jeder Hundebesitzer eine entsprechende Ausstrahlung und Körpersprache haben um seinem eigenen Hund zu vermitteln, in der Lage zu sein, auch schwierige Situationen zu lösen, ohne dass der Hund selbst aktiv werden muss.

Ein klares Regelwerk der Kommunikation, welches in verschiedene Ebenen untergliedert ist, erleichtert den Hundehaltern den Aufbau und Ablauf der Hundeerziehung, aber zugleich auf das Zusammenleben zwischen Mensch und Hund. Am Wichtigsten ist es, dem Vierbeiner klare Signale zu senden und diese korrekt zu konditionieren. Hierbei kann vollständig auf diverse Führhilfen, wie Brustgeschirr, Schleppleine (welche nur als Absicherung eingesetzt werden sollte) oder gar auf Würge- und Stachelhalsbänder verzichtet werden. Klare Gesten, Laute und Mimik und eine entsprechende innere Gestimmtheit ersetzen all dies. Zur Not könne unterstützend die Leine als Hilfsmittel eingesetzt werden, aber nur um die Kommunikation parallel zu verdeutlichen und zu unterstützen, nicht um sie zu ersetzen. Denn es ist bei nahezu allen Hunden möglich, die Leine in nur 5 Minuten zur Nebensache zu machen. Der Hund muss hierfür lediglich lernen sich an Gesten und Körpersignalen zu orientieren, die Veranlagung sich am Mensch zu orientieren bringt jeder Welpe mit. Für die jeweilige Situation im Alltag, gilt es eindeutige Körpersignale einzuführen und diese klar zu kommunizieren, wenn nötig kann zusätzlich über die Binärsprache reglementiert werden.

„Gute Stimmung ist die halbe Miete und wenn ich dem Hund sage, dass ist PFUI, dann ist das die andere halbe Miete“ so verdeutlichte Anton Fichtlmeier die Bedeutung der mentalen Führung und der klaren Signalübereinkünfte. Der Hund muss verstehen, dass Abbruchsignale auch als solche zu verstehen sind und das wird nur erreicht, wenn der zugehörige Halter die Bedeutung des Signals auch ausstrahlt.

Neben all der Erziehungstipps und des klaren Regelwerks, darf jedoch laut Fichtlmeier nicht vergessen werden die kommunizierten Signale auf freundliche Art und Weise zu vermitteln. „Nur mit einem offenen Hund kann vernünftig gearbeitet werden“, hierzu soll mit dem Hund offen und frei umgegangen werden, denn wenn die Stimmung nicht passt, nimmt, so Fichtlmeier, die Kommunikationsbereitschaft ab. Wie in vielen Lebenslagen gilt auch in der Hundeerziehung „mit etwas Freundlichkeit geht es gleich leichter“.
Auf die menschliche Sprache kann in den meisten Fällen verzichtet werden. Der Hund soll z.B. verstehen, dass wenn der Halter in die Hocke geht, der Hund herankommen soll. Hier wäre eine Steigerung der verbalen Kommunikation, wie sie oft auf zahlreichen Hundewiesen zu beobachten ist, fehl am Platz. Hat der Hund keine Bindung zum Besitzer und nicht gelernt Signale entsprechend zu verknüpfen, so kann der Mensch verschiedenste Begriffe in den unterschiedlichsten Tonlagen rufen, der Hund wird nicht reagieren. Anton Fichtlmeier verdeutlichte dies anhand eines Beispiels „du drückst im Auto auf den Scheibenwischer und er tut nichts, dann schreit man auch nicht hui, ui ui, Honolulu“.

Für viele Hundefreunde stellt sich die Frage wie man all diese Punkte in der Erziehung umsetzen kann. Hier setzt Fichtlmeier bereits beim Welpen an und konditioniert diesen auf den Blickkontakt. So bewirkt der gezielte Blickkontakt des Hundes mit dem Halter eine Aktion des Menschen, z.B. wird dem Welpen ein Napf mit Futter genau im Moment der Blickkontaktaufnahme hingestellt. Wiederholt man diese Übung mehrfach, so verknüpft der Hund die Handlung und man festigt die Blickkontaktaufnahme. Fichtlmeier wusste auch diese Situation wieder anschaulich darzustellen, so verglich er dies mit einem „Getränkeautomat mit Gesichtserkennung, man stellt sich vor den Automaten, dieser scannt das Gesicht und im Moment des Blickkontakts, wird ein Getränk ausgeworfen“. Wie bei all seinen Beispielen, musste auch hier jeder Zuhörer im Saal schmunzeln.
Wie dieses Beispiel der Blickkontaktaufnahme, sind sämtliche weiteren Verhaltensweisen zu bestätigen, das richtige Timing ist hier von entscheidender Bedeutung. Mit Futter kann beim Welpen, aber auch beim älteren Hund gut gearbeitet werden, der Hund darf hierfür natürlich nicht bereits satt sein. Das A und O ist es, das gewünschte Verhalten im Moment der Ausführung zu bestätigen und dem Hund zu vermitteln, dass sein Verhalten eine Aktion beim Menschen auslöst. So kann nach und nach auch parallel ein weiteres Signal eingebaut werden und die Schwierigkeit gesteigert werden. Wichtig ist es zudem, die Aufmerksamkeit des Hundes auf einem hohen Niveau zu halten. Dies geschieht vor allem durch Variabilität des Halters, es sollen z.B. Übungen nicht immer in der gleichen Reihenfolge wiederholt werden, sondern ruhig für Abwechslung gesorgt werden. Dies wirkt sich, so Fichtlmeier, auch positiv auf den Hund aus.
Je intensiver die Bindung zwischen Mensch und Hund ist und je klarer der Mensch kommuniziert, desto einfacher und schneller lernt der Hund. Und dieser Kreislauf wird fortgeführt, indem der Hund mehr Freiräume bekommt, wenn er mental beim Menschen ist und emotional gefasst ist.

Abschließend gab Anton Fichtlmeier den interessierten Hundefreunden noch mit auf den Weg, die innere Einstellung zu überprüfen und den jeweiligen Hund wirklich „toll“ zu finden und zu mögen. Eine positive Grundeinstellung wirkt sich allgemein gut auf das gemeinsame Zusammenleben aus.

All diese von Fichtlmeier demonstrierten Punkte werden in den lizenzierten Fichtlmeier Hundeschulen beachtet und zusammen mit den Hundehaltern umgesetzt. Das Hauptaugenmerk liegt darauf einen alltagstauglichen Hund zu formen, dafür werden verschiedenste Übungen durchgeführt und bei jeglichen Problemen Hilfestellungen gegeben. So auch in der von Michael Rösch geführten CCC Hundeschule in Illkofen.

Anton Fichtlmeier und Michael Rösch stellten in Aussicht, dass auch nächstes Jahr ein weiterer Themenabend folgen wird. Der konkrete Termin wird rechtzeitig kommuniziert werden.

Bericht mit freundlicher Genehmigung von Melissa Kroschinski